Wenn ich Sie also jetzt auf dem Bildschirm sehe, mit Ihnen in Kontakt bin, dann kann ich ganz in meinen Worten und im Gespräch mit Ihnen aufgehen. Trotzdem bleibt immer ein Zentralitätsgefühl, ein Selbstempfinden, das das Ganze begleitet und einfasst. Ich verschwinde nicht im Erleben, im Wahrgenommenen oder in meinen Gedanken, sondern es bleibt immer ein letztlich auch leibliches Selbsterleben im Hintergrund, das diese Wahrnehmungen und Handlungen, dieses Sprechen gewissermaßen trägt. Also ist Subjektivität kurz zusammengefasst Zentralität, Perspektivität allen Erlebens, und es ist zugleich Selbstsein, Selbst-Innesein allen Erlebens.

PS: Jetzt ist es aber auch so, dass das Erleben keine solipsistische Erfahrung ist. Das heißt, ich muss in Relation zu anderen sein, auch in Relation zu Dingen und Sachverhalten, um die Welt wahrnehmen zu können. Im Prinzip ist Subjektivität auch verbunden mit einer gewissen Intersubjektivität.

TF: Ja, da haben Sie völlig Recht – Subjektivität ist immer relational zu fassen. Es ist immer Bezogensein auf etwas. Subjektivität überschreitet sich fortwährend in der Bezogenheit zur Welt. Das hab ich vorhin ausgedrückt, als ich sagte,  ich bin jetzt engagiert in dem Gespräch, im Wahrnehmen unserer Interaktion und Ihrer Person; das heißt, ich überschreite  meine Eigensphäre immer in Kontakt und in Beziehung zur Welt. Ein Stück Selbsttranszendenz liegt in jeder Subjektivität. Das ist also eine Relation, eine Bezogenheit auf die Welt, wie sie mir jeweils gegeben ist und erscheint. Zu dieser Welt gehören aber ganz besonders andere Subjekte, und die Intersubjektivität ist sogar all meinem Erleben inhärent, weil ich, selbst wenn gerade niemand da wäre, doch alles, was ich erlebe und wahrnehme, immer auch unter dem Gesichtspunkt erlebe, dass es auch andere Subjekte gibt, dass es auch Andere gäbe, die das Gleiche mit mir wahrnehmen könnten. Also die Intersubjektivität ist gewissermaßen „eingebaut“ oder eingeschlossen in all mein Erleben. Selbst wenn Robinson Crusoe auf seiner Insel keine anderen Menschen um sich herum gehabt hat, dann sah er diese Insel trotzdem immer mit den Augen anderer, weil er implizit davon ausging, jeder, der mit ihm gestrandet wäre, würde die gleiche Wahrnehmung machen. Wahrnehmung ist für uns Menschen immer eine potenziell gemeinsame Wahrnehmung.   >>

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